Zeitwertkonten (ZWK)

Unter Zeitwertkonten, auch Lebensarbeitszeitkonten, versteht man die Regelungen zur Flexibilisierung der Lebensarbeitszeit.

Dabei können Arbeitnehmer Vergütungsbestandteile wie Überstunden, Resturlaubstage aber auch Entgelt brutto einbringen, um davon später verzinst eine Freistellungsphase zu finanzieren. Der Arbeitgeber kann die Ziele der Freistellung variabel fördern.

Die Rahmenbedingungen zum Insolvenzschutz, zur Portabilität bei Arbeitgeberwechsel und zur Anlage der Zeitwertkonten sind im Flexi-II-Gesetz (ab 1.1.2009), dem Rundschreiben der Sozialversicherungsträger vom 31.3.2009 und in BMF-Schreiben neu geregelt worden. Daneben sind das Sozialgesetzbuch, das Bundesurlaubsgesetz, das Arbeitszeitgesetz und evtl. tarifliche und innerbetriebliche Regelungen zu beachten.

ZWK sind kein Ersatz, sondern eine sinnvolle Ergänzung der bAV. Die bAV versorgt den Ruhestand, die ZWK regeln die Zeit vor dem Ruhestand. Beide Systeme sind notwendig, damit der Arbeitnehmer in Rente gehen kann.

Die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 (zukünftig 70?) bedeutet für die Arbeitnehmer eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit sowie eine faktische Rentenkürzung und für die Unternehmen eine Erhöhung der Personalkosten, weil Arbeitnehmer es sich nicht leisten können, früher in Rente zu gehen.

Auch die Möglichkeiten der Altersteilzeitvereinbarungen wurden durch die wegfallende Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit verringert.

Insofern gibt es eine mehrfach gleichgerichtete Interessenlage, den sog. Vorruhestand abgestimmt auf die branchenspezifischen Interessen des Unternehmens und der Arbeitnehmer zu regeln.

Weitere Freistellungsmöglichkeiten während des Erwerbslebens wurden durch das Flexi-II-Gesetz eingeführt.

Zu unterscheiden sind die Lebensarbeitszeitkonten von den Kurzzeit- oder Jahresarbeitszeitkonten, die vor allem dem Ausgleich der saisonal unterschiedlichen Arbeitszeiten und bei konjunkturell bedingten Auftragsrückgängen genutzt werden. Im Idealfall wird in einer Betriebsvereinbarung oder Arbeitszeitordnung ein entsprechender Überlauf geregelt.

Zeitwertkonten sind aktuell in klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU)
noch nicht flächendeckend verbreitet. Im Kampf um qualifizierte Nachwuchskräfte, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zur Senkung der Arbeitsplatzkosten wird jedes Unternehmen dieses attraktive Instrument der Mitarbeiterführung als selbstverständlich betrachten.

Mitarbeiterbeteiligung (MAB)

Mitarbeiterkapitalkonten stellen eine Alternative oder auch Ergänzung zur bAV dar. Diese basiert auf einer flexiblen Konzeption und unterliegt nicht dem Betriebsrentengesetz. Mitarbeiterkapitalkonten eröffnen als Vergütungsinstrument zusätzliche steuerliche und arbeitsrechtliche Gestaltungsspielräume.

Mitarbeiterbeteiligungsprogramme können individuell als Erfolgs- und/oder Kapitalbeteiligung ausgestaltet werden.

Die MAB kann von Unternehmen jeder Rechtsform und Größe eingeführt werden. Es kann die Teilnahme für die gesamte Belegschaft oder auch nur für bestimmte Personengruppen geregelt sein.

Ihre Ausgestaltung erfährt die MAB durch eine direkte Beteiligung
(Aktien, GmbH-Anteile, KG-Anteile) oder mezzanine Beteiligungen (Genussrechte, Stille Beteiligung). In der Praxis haben sich vor allem die Genussrechte (bei Verbriefung Genussscheine) als schuldrechtliche Beteiligungsform bewährt, da diese durch die individuelle Ausgestaltung der Genussrecht-Bedingungen eine sehr gute Verknüpfung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen ermöglichen.

Feste und/oder gewinnabhängige Vergütungen sind möglich, auch eine Gewährung von Sach- statt Geldwerten.

Dabei kann je nach Zielsetzung der MAB der Schwerpunkt mehr auf die laufende Vergütung (ausschüttend) oder als Ergänzung zur bAV und Vorruhestandsregelung (thesaurierend) gesetzt werden.

Bei entsprechender Ausgestaltung kann die MAB als Eigenkapital qualifiziert und gleichzeitig die Vergütung von der steuerlichen Bemessungsgrundlage abgezogen werden.

Die Ausgestaltung der Informationsrechte wird an die jeweilige Kultur des Unternehmens angepasst.

Die individuell eingerichtete MAB trägt zu einer stabileren Eigenkapital-Finanzierung (Basel-II-Rating) sowie zur sehr hohen Identifikation und Motivation der Mitarbeiter im Unternehmen bei.

Solche Unternehmen werden bei der Gewinnung von Nachwuchskräften und Bindung von Fachpersonal keine Schwierigkeiten kennen.

Altersteilzeit

Durch den Förderungswegfall seitens der Bundesagentur für Arbeit entsteht zusätzlicher Beratungsbedarf bei der tariflichen und unternehmensspezifischen Umsetzung des Rechtsanspruchs auf gesetzliche (Alters-)teilrente nach § 42 SGB VI in Verbindung mit dem Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit nach § 8 TZBG und den Möglichkeiten des individuellen Vorruhestandes durch den Einsatz von Zeitwertkonten.